Helfernetzwerk sucht dringend Wohnraum
Mehrfamilienhaus nach Brand für Monate unbewohnbar

Großeinsatz an der Liebigstraße: Die Feuerwehr löscht den Brand.Foto: Stadtfeuerwehr Pattensen
Pattensen. Di e Folgen des Brands in einem Mehrfamilienhaus an der Liebigstraße werden die rund 50 Bewohnerinnen und Bewohner noch lange beschäftigen. Das Gebäude sei nach dem Brand am Mittwoch für mehrere Monate nicht bewohnbar, hieß es jetzt bei einer Veranstaltung des neu gegründeten, ehrenamtlichen Helfernetzwerks.

Ratsfrau Stefanie Behrends baut das Netzwerk gerade gemeinsam mit weiteren Helferinnen und Helfern auf und hatte kürzlich alle betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner zu einem Treffen ins Leine-Hotel eingeladen.

Dort sind viele untergekommen, die keine andere Bleibe in der Stadt gefunden haben. Behrends hatte sich kurz zuvor noch mit der Hausverwaltung ausgetauscht. „Die fünfte Etage wird für mindestens ein Jahr nicht bewohnbar sein“, berichtete sie. Auch die darunterliegenden Wohnungen stünden für die nächsten zwei bis drei Monate nicht zur Verfügung.

In den unteren Etagen liegen vor allem Wasserschäden vor: Es ist nicht nur Löschwasser, sondern auch Leitungswasser aus einem geplatzten Rohr bis in den Keller heruntergelaufen. „Zunächst müssen jetzt sämtliche Feuchtigkeits- und Hitzeschäden und wohl auch noch die Statik des Gebäudes geprüft werden“, sagte Behrends. Erst wenn alles als sicher eingestuft sei, könnten die Bewohnerinnen und Bewohner in die Wohnungen bis zum vierten Obergeschoss wieder einziehen. Sie dürfen allerdings auch jetzt hinein, um notwendige Kleidung oder Dokumente zu holen. Dazu wird das Tragen einer Maske empfohlen. „Im ganzen Haus stinkt es noch immer heftig nach Rauch“, sagte eine Bewohnerin.

Die Bewohnerinnen und Bewohner haben den Brand aus ganz unterschiedlichen Perspektiven erlebt. Alisa Osso lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern im vierten Obergeschoss. Als der Brand ausbrach, war sie gerade allein in der Wohnung. „Plötzlich klopfte jemand sehr laut und energisch gegen die Tür“, sagt Osso. Es war ein Feuerwehrmann, der sie aufforderte, die Wohnung schnell zu verlassen. „Ich schnappte mir dann nur die Jacke und mein Portemonnaie und rannte die Treppen runter.“

Die im vergangenen Jahr in den Ruhestand gegangene Pastorin der St.-Lucas-Gemeinde, Carola Timpe, wohnt im fünften Obergeschoss direkt neben der ausgebrannten Wohnung. „Ich war unten im Haus, als das Feuer ausbrach. Dann durfte ich nicht mehr hoch“, berichtet sie. Dabei sei noch ihr Hund in der Wohnung gewesen. Die Feuerwehr konnte den Hund und die weiteren Tiere im Haus retten, doch es soll knapp gewesen sein. „Eine Katze aus der Nachbarwohnung musste mit zusätzlichem Sauerstoff beatmet werden“, berichtet Timpe.

Nach dem Brand habe sie unter Begleitung der Feuerwehr noch einmal kurz in die Wohnung gedurft. „Ich habe dann einfach das Hundefutter und ein paar Klamotten eingepackt und bin wieder raus“, sagt Timpe. Sie lobt den Einsatz der Feuerwehr. „Das war sehr professionell. Ich habe mich die ganze Zeit sicher gefühlt.“

Der 23-jährige Felix Hellmann wohnt ebenfalls im fünften Obergeschoss. Er besuchte gerade seine Schwester in ihrem Auslandsjahr in Riga, als das Feuer ausbrach. „Das war ein komisches Gefühl. Ich wurde von Freunden informiert“, sagt er: „Den Personalausweis und die Krankenkassenkarte hatte ich im Urlaub glücklicherweise mit“. Auch den Rechner mit wichtigen abgespeicherten Unterlagen hatte er dabei.

Laut Behrends wird nun zunächst ermittelt, welche Hilfe benötigt wird. „Am dringendsten brauchen wir Wohnraum“, sagt sie. Entsprechende Angebote kämen jetzt nach und nach rein. So haben zum Beispiel die Eheleute Gerti und Andreas Junge freie Wohnräume in ihrem Haus. „Die stellen wir gern zur Verfügung. Wir haben damals auch schon Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen“, sagt Gerti Junge.

Bei dem Treffen waren auch mehrere Vertreterinnen und Vertreter des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) dabei. Koordinator Jörg Brockhoff geht davon aus, dass der Brand auch psychische Folgen haben kann, die noch längere Zeit andauern. Die Psychosoziale Notfallversorgung des ASB ist telefonisch unter (0173) 6284201 rund um die Uhr erreichbar. „Wir schicken dann so schnell es geht jemanden vorbei“, sagte Brockhoff.

Von der Stadtverwaltung waren Fachbereichsleiter Jörg Laszinski und Fachbereichsleiterin Andrea Steding vor Ort. Laszinski hat vor ein paar Jahren selbst im fünften Obergeschoss des Hauses an der Liebigstraße gewohnt. Er sagte, dass der Soziale Dienst der Stadt als Ansprechpartner zur Verfügung stehe, wenn es zum Beispiel um die Wiederbeschaffung beschädigter Dokumente gehe. Er bat darum, nach Möglichkeit vorher einen Termin im Rathaus auszumachen, da dort jetzt vermutlich sehr viele Gespräche geführt werden müssten.

Der Soziale Dienst ist per Mail an sjd@pattensen.de und telefonisch unter (05101) 1001-370 zu erreichen. Dort werden auch Unterstützungsangebote aufgenommen, die dann an das ehrenamtliche Netzwerk weitergeleitet werden.

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