„Cook & Freeze“ heißt die Art der Zubereitung hier: Das Essen wird nach dem Garen in einer Großküche sofort gefroren und erst in der Schule fertig gegart, sodass die Nährstoffe und der Geschmack erhalten bleiben. Beilagen wie Nudeln und Kartoffeln hingegen werden vor Ort zubereitet.
Das System könnte bald auf alle Schulen und Kitas im Stadtgebiet ausgedehnt werden. Der Rat der Stadt hat jetzt beschlossen, dass die Kinder und Jugendlichen in allen Einrichtungen künftig grundsätzlich nach dem sogenannten Regenerationsverfahren versorgt werden, wie es in Form von „Cook & Freeze“ am EKS und andernorts als „Cook & Chill” praktiziert wird – bei Letzterem wird das Essen schnell gekühlt, aber nicht gefroren. Diese Verfahren gelten als Mittelweg zwischen dem Garen küchenfertig gelieferter Zutaten vor Ort (Mischküche) und dem Anliefern warmer Speisen ohne zwischenzeitliche Kühlung (Ausgabeküche).
Mit dem Beschluss will die Stadt Problemen begegnen, die derzeit an mehreren Einrichtungen anstehen. Bislang nutzen die Kitas und Schulen ganz unterschiedliche Systeme der Mittagsverpflegung. Einige wie die Albert-Einstein-Schule und die Grundschule Pestalozzistraße setzen auf das gleiche System wie das EKS. In einigen wird das Essen hingegen warm angeliefert und gleich ausgegeben – mit entsprechenden Einbußen bei Temperatur und Konsistenz. Andere haben sogenannte Mischküchen. Diese Mischküchen, auf die bislang rund ein Drittel der Einrichtungen in Laatzen setzen, gelten als guter Standard, erfordern aber besondere Ausstattung und mehr Fachkräfte vor Ort. „Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass das erforderliche Fachpersonal nicht mehr zur Verfügung steht“, stellt die Stadtverwaltung nun in einer Zwischenbilanz fest.
So habe die Kita Würzburger Straße zuletzt kein qualifiziertes Personal dafür gefunden, in der Kita Brucknerweg ging eine Fachkraft in Rente. Die Kinder essen nun stattdessen warm angeliefertes Essen. In anderen Einrichtungen müssten Küchen umgerüstet werden, um sie weiter als Mischküchen betreiben zu können. Auch seien die Personalkosten bei dem Modell höher.
Als Lösung strebt die Stadt ein einheitliches Verfahren für alle Einrichtungen an – das am EKS praktizierte Regenerationsverfahren. Nach dem jetzt gefällten Grundsatzbeschluss im Rat prüft die Verwaltung dabei zunächst, welche Umbauten in den einzelnen Einrichtungen und welches Personal benötigt würden. Eingeführt werden könnte es schrittweise.
Auch ist noch offen, woher das Essen künftig kommt und wer es ausgibt. Zur Diskussion steht unter anderem das am EKS praktizierte System mit externem Caterer. Prüfen will die Stadt aber auch den Bau und Betrieb einer eigenen Zentralküche, die die Einrichtungen beliefert. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Silke Rehmert deutete unlängst im Rat an, dass auch darüber nachgedacht wird, Einrichtungen anderer Städte und Gemeinden zu beliefern. Bei einer Ausgabemenge von aktuell 2650 Essen täglich – potenziell könnten es 4600 werden – könnte sich eine solche Zentralküche aber auch so lohnen.Ganz unumstritten ist das Konzept des „Cook & Freeze“ allerdings nicht. „Das Essen wird ganz unterschiedlich wahrgenommen – manche finden es gut, manche sind nicht so zufrieden“, berichtet David Freyer, Lehrer am Erich-Kästner-Gymnasium. Auch gibt es schon immer das Phänomen, dass das Essen bei älteren Schülern weniger gut ankommt: Während in den Kitas laut einer Bestandsanalyse rund 90 Prozent der potenziell teilnehmenden Kinder und an den Grundschulen immerhin 75 Prozent bei der Mittagsverpflegung dabei sind, sind es an den weiterführenden Schulen nur 35 Prozent.
Im Rat stimmten nur die Linken gegen das neue Konzept. „Es wird dazu führen, dass das Essen nur noch von außen zugeführt und Tiefkühlware geliefert wird“, sagte Linken-Ratsherr Christoph Freundlieb. Diese komme von Großlieferern und enthalte viele Zusatzstoffe, so seine Befürchtung. „Wo jetzt noch Mischküchen sind, werden diese abgeschafft. Dann kommt kein frischer Salat und nichts Frischgekochtes dazu, alles wird über einen Kamm geschert und auf ein anderes Niveau heruntergestuft.“ Zum Einwand von CDU-Fraktionschef Fabian Bodenstab, dass die Stadt eine eigene Zentralküche prüfen wolle, erwiderte Freundlieb: „Ich weiß schon, was bei der Prüfung herauskommt.“
Unter den Schülern gibt es jedenfalls auch positive Stimmen. „Das Essen schmeckt meistens gut“, findet etwa der Fünftklässler Adan, der sich heute für Spätzle entschieden hat. Seine Klassenkameraden Qosay und Luis nicken.