Marienburg-Diebesgutbleibt verschollen
Sieben Jahre nach der Tat sitzen zwei Männer in Haft – doch nur zwei Ausstellungsstückekonnten gefunden werden

Da das Schloss Marienburg derzeit wegen Sanierungsarbeiten für Besucher geschlossen ist, wird ein virtueller Rundgang durch das Schloss angeboten. Foto (Archiv): Julian Stratenschulte
Pattensen. Es war der Morgen des 10. September 2018, als ein Mitarbeiter des Museums auf Schloss Marienburg bei seinem Rundgang bemerkte: Da fehlt doch etwas. Tatsächlich – es fehlte eine ganze Menge. Und zwar historische Ausstellungsstücke im Wert von etwa 100.000 Euro. Darunter befanden sich Pistolen, Gewehre, Säbel, Medaillons und Gemälde. „Wir hoffen, dass es gelingen wird, die gestohlenen historischen Objekte wiederzufinden“, sagte Hausherr Ernst August von Hannover damals über die Tat.

Fast genau sieben Jahre später brechen vier Männer in den Pariser Louvre ein. In weniger als zehn Minuten gelingt es ihnen, über eine Hebebühne ins Museum einzudringen und wenig später mit Beute im Wert von rund 88 Millionen Euro zu verschwinden – darunter auch Kronjuwelen der französischen Monarchen. Mittlerweile konnten mehrere Verdächtige gefasst werden. Es wird befürchtet, dass die Beute zerlegt wurde, um sie zu Geld machen zu können. Die Tat hat nicht nur eine Diskussion über die Sicherheitsvorkehrungen in Museen entfacht, sondern führt auch zurück zu Schloss Marienburg: Wie gelang es den Tätern von damals eigentlich, in die Ausstellungsräume zu gelangen?

Genau rekonstruieren lässt sich das nicht mehr, da die Ermittlungsakten inzwischen im Archiv verstauben. Wie ein Sprecher der für den Fall zuständigen Staatsanwaltschaft Darmstadt mitteilt, kamen die Täter durch ein Tor in der Schlossmauer auf das Grundstück. Dann schlugen sie ein Fenster an einer Tür ein, öffneten diese – und standen im Museum. Angesichts der Menge und des Gewichts der Beute müssen die Einbrecher mit einem Fahrzeug vorgefahren sein. Ganz sicher ist das allerdings nicht.

Die Spur führt auch deshalb nach Hessen, weil dort im Jahr 2020 zwei der historischen Waffen in einem Versteck von zwei Männern gefunden wurden. „Gegen sie wurde in Darmstadt wegen anderer Delikte, insbesondere gewerbsmäßiger Hehlerei, ermittelt, sodass das Verfahren der Staatsanwaltschaft Hannover hier übernommen wurde“, sagt Robert Hartmann von der Staatsanwaltschaft Darmstadt.

Bei den damals 33 und 39 Jahre alten Männern handelt es sich um Berufshehler, die bereits mehrfach mit Diebesgut erwischt worden waren. In Darmstadt wurden sie 2020 schließlich zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt – allerdings nicht wegen des Welfen-Einbruchs. Zwar waren bei ihnen zwei historische Waffen gefunden worden. „Es konnte nicht festgestellt werden, ob die Beschuldigten für den Einbruch in die Marienburg verantwortlich sind oder sich lediglich die historischen Waffen verschafft hatten“, so Staatsanwalt Hartmann. Mittlerweile ist das Verfahren zum Einbruch in das Welfenschloss eingestellt – es sei denn, es ergeben sich neue Hinweise. Der größte Teil der Beute bleibt also verschwunden.

Seit dem Einbruch im Jahr 2018 gab es zwei weitere versuchte Einbrüche in die Marienburg: Im April vergangenen Jahres – kurz vor dem Drehstart der zweiten Staffel von „Maxton Hall“ – versuchten unbekannte Täter, über ein Kellerfenster ins Schloss zu gelangen. Sie flüchteten ohne Beute. Der andere Einbruchsversuch ereignete sich im April 2021. Die Täter drangen zwar in die Marienburg ein, verschwanden jedoch ebenfalls ohne Beute.

Der letzte spektakuläre Einbruch in ein niedersächsisches Museum datiert auf den Oktober 2023: Offenbar professionelle Täter entkamen mit ostasiatischer Kunst aus dem Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim.

Derweil ist die Marienburg bei Pattensen-Schulenburg wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Die dritte Staffel der Amazon-Serie „Maxton Hall“ soll dort trotzdem gedreht werden.
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