„Dunkel-lila ist problematisch“, erklärte Jörg Eibich von der Stabstelle Nachhaltigkeit jüngst im Stadtentwicklungsausschuss, mit Blick auf eine Karte, in der weite Teile Laatzen-Mittes, von der Otto-Hahn-Straße bis zur Langen Weihe und beidseits der Erich-Panitz-Straße, derart eingefärbt sind. Erarbeitet hatte die Karte wie auch den Gesamtplan die Agentur Kommunikation für Klimaschutz 4K gemeinsam mit der Verwaltung. Die dicht besiedelten Gebiete machten die Experten als „hoch prioritär“ für Maßnahmen zur Hitzeversorgung aus. Grund für den dringenden Handlungsbedarf: Dort kann es nicht nur heiß werden und leben viele Menschen, sondern gibt es empfindliche Gruppen wie Senioren und Kinder.
In den anderen Stadtteilen sind Pflegeheime, Kitas, Schulen sowie das Klinikum Agnes Karll dunkel-lila eingefärbt. „Auf die Bereiche würden wir zeigen, wenn jemand fragt: Wo fangen wir mit ‚blau-grünen-Maßnahmen‘ an?“, so Eibich weiter. Blau stehe dabei für Gewässer wie Leine und Stückenfeldteich, Grün für Flächen wie Parks oder Friedhöfe. Sie alle können die Umgebungstemperatur absenken und an heißen Tagen Erholung im Freien bieten. Um für Hitzeereignisse gewappnet zu sein, verfolgt die Stadt kurz- und langfristige Ziele. Schnell umsetzen will sie einen Überblick zu kühlen Orten. Die Verwaltung werde die Kirchen kontaktieren, inwiefern diese ihre Gebäude im Sommer verlässlich öffnet. Zwar gibt es schon eine Onlinekarte „Orte zum Abkühlen der Region“ mit Zielen auch in Laatzen, doch sind das bisher nur zwei: das Aqualaazium und den Park der Sinne. Eine dritte nicht näher beschriebene virtuelle Nadel auf der Karte für kühle Orte steckt im Bereich des Leine-Centers, ausgerechnet auf dem Hitze-Hotspot P2. Die Stadt will mehr kühle Orte sammeln. Das klimatisierte Leine-Center werde direkt der Stadt kontaktiert, kündigte der Leiter der Stabstelle Nachhaltigkeit Matthias Brinkmann am Mittwoch an.
Zudem werde die Verwaltung bei Händlern im Stadtgebiet dafür werben, sich am bundesweiten Refill-Programm zu beteiligen, so Brinkmann weiter. Derzeit bietet nur der Nabu Laatzen (Ohestraße) eine Zapfstation für Trinkwasser an. Künftig sollten runde blaue Aufkleber bei Geschäften oder anderen öffentlichen Orten in Laatzen anzeigen, wo es kostenlos Leitungswasser gibt. Auch im Rathausfoyer werde eine Station eingerichtet, so Brinkmann – selbst wenn diese nur einen Sommer zu nutzen sei, weil das Rathaus ab 2027 abgerissen wird.
Der Maßnahmenkatalog zum Hitzeaktionsplan umfasst allein 27 Seiten und bezieht auch verschiedene Aufgaben und Zuständigkeiten von Stadt, Region und weiteren Behörden bei Hitzeereignissen ein. „Das ist in erster Linie ein Arbeitsauftrag an die Verwaltung, mit welchen saisonvorbereitenden Maßnahmen wir unsere Bevölkerung im Sommer bestmöglich vor den Folgen der Hitze schützen können“, sagte Brinkman. Ziel sei es, zu sensibilisieren sowie mit gezielten Informationen und Angeboten Menschen vor gesundheitlichen Folgen zu bewahren. Für Anfang 2026 sei noch ein Bürgeraufruf geplant, um weitere Ideen für kühle Orte zu sammeln.
Mittel- und langfristig soll Laatzen auch städtebaulich besser vor Hitzeereignisse geschützt werden, wie durch Entsiegelungen, Fassadenbegrünung, zusätzliche Schattenplätze und Frischluftschneisen. Diese gelte es frühzeitig bei Projekten mitzudenken, sagte Annerose Hörter von der Agentur K4 im Stadtentwicklungsausschuss - und an dessen Mitglieder gewandt: „Fangen Sie bitte jetzt an.”