Der heißt Manfred Ehlert. Dass er noch einmal hinter den Trommeln sitzen würde, hätte der Gleidinger selbst nicht gedacht. 15 Jahre lang hatte er nicht mehr Schlagzeug gespielt. Doch was man einmal gelernt hat, vergisst man offenbar nicht: Am Freitagabend, 21. März, schwang Ehlert die Trommelstöcke beim „Friday Session Club“ im Leine-Center – einer Jam-Session, bei der Musiker unterschiedlichen Alters, Könnens und Genres spontan miteinander musizieren.
Organisiert hatte den Konzertabend die Musikschule Laatzen: Anlässlich der Feiern zum 20-jährigen Bestehen des Trägervereins war sie zum ersten Mal im Leine-Center zu Gast. Das Prinzip: Die Anwesenden treffen sich zum freien Musizieren auf der Bühne. Mal mucken die Beteiligten einfach drauflos, mal werden bekannte Songs nachgespielt. Am Freitag waren zum Beispiel Titel wie „Oye como va“ von Tito Puente – bekannt geworden durch die Version von Santana – oder „Hey Jude“ von den Beatles im Center zu hören.
„Es gab bisher sechs Sessions an unterschiedlichen Orten“, berichtet Musikschulleiter Jens Enders. Zunächst hatte der Verein im Februar 2024 im Vereinsheim des VfL Grasdorf auf die Bühne gebeten, zweimal gastierte der „Friday Session Club“ im Jugendzentrum an der Pestalozzistraße.
Wie es bei solchen Jams üblich ist, wechselten im Laufe des Abends immer wieder die Besetzungen. Mitglieder der Band Somebody Crashed, die den Auftakt des Abends bestritten, gesellten sich ebenso dazu wie Schüler und Dozenten der Musikschule. Und auch Manfred Ehlert war mittendrin statt nur dabei.
„Ich finde es super, dass man hier ganz frei mit anderen Leute spielen kann“, sagt der Gleidinger, der die Sticks eigentlich längst an den Nagel gehängt hatte. „Ich spiele zu Hause nur noch ein bisschen Keyboard oder Klavier.“
Seine Rückkehr an die Trommeln sei eher ein Zufall gewesen: „Ich war im vergangenen Jahr bei einer der ersten Sessions im Vereinsheim des VfL Grasdorf dabei“, berichtet der 82-Jährige. „Ich hatte eigentlich Bläser gesucht, die mich beim Keyboardspiel begleiten.“ An dem Abend sei aber niemand vor Ort gewesen, der Schlagzeug spielen wollte. „Zum Glück hatte ich dann selbst den Mut, mich hinters Schlagzeug zu setzen.“ Etwas Überwindung habe das schon gekostet, „aber dann hat es so richtig Spaß gemacht“.
Die Jam-Session am Freitag war nun schon Ehlerts dritte. „Ich habe 1960 mit dem Schlagzeugspiel begonnen und auch in Bands gespielt“, berichtet der Gleidinger. Zunächst sei er im Jazzbereich unterwegs gewesen, unter anderem beim Old Fashion Swingtett in Burgdorf. „Später bin ich dann zur Tanzmusik gekommen.“
Zwar sei die Musik stets nur ein Hobby gewesen, durchaus umtriebig war Ehlert dennoch. „Wir haben zu dritt als Tanzschulband gespielt und auch Abschlussbälle und Wettbewerbe begleitet“, erzählt er. Die Tanzschülerinnen und Tanzschüler hätten zu ihrer Musik getanzt. „Deshalb war es das Wichtigste, den Takt zu halten.“
Dass es jetzt die Jam-Sessions gibt, habe sich mittlerweile herumgesprochen, sagt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Thomas Weber. „Wir haben schon einige Leute, die regelmäßig dabei sind.“ Neben Ehlert gehören dazu auch der Grasdorfer Dirk Krohne und der Alt-Laatzener Andreas Bock. „Ich bin einfach aus Spaß an der Freude hier“, sagt Krohne. „Es gibt sowieso viel zu wenig Livemusik und Auftrittsmöglichkeiten in Laatzen.“ Der 62-Jährige macht bereits seit 1979 Musik im Bereich Rock und Blues. Die Sessions seien eine gute Gelegenheit, live zu spielen zu können.
Ähnlich sieht das sein Session-Kollege Bock. „In den Siebziger- und Achtzigerjahren gab es häufig solche Jam-Sessions, aber das ist leider etwas eingeschlafen. Deshalb finde ich es gut, dass man hier jetzt regelmäßig spielen kann.“
Das soll auch so bleiben: „Wir wollen den ‚Friday Session Club‘ künftig im Zwei-Monats-Takt im Leine-Center anbieten“, kündigt Enders an. Der nächste Termin ist für Freitag, 30. Mai, geplant.
Auch am Konzept will die Musikschule festhalten: Zum Auftakt spielt gegen 19.30 Uhr zunächst eine gebuchte Band, nach einer kurzen Umbaupause kommen dann die Gäste zum Jammen auf die Bühne. Die Musikschule stellt Schlagzeug, Keyboard und Verstärker, andere Instrumente bringen die Musiker und Musikerinnen selbst mit. „Wir hatten auch schon Leute, die ihren Kontrabass oder ihr Saxofon dabei hatten“, berichtet Enders. Hobbymusiker seien ausdrücklich willkommen. Auch Zuschauerinnen und Zuschauer sind bei den Sessions gern gesehen. Der Eintritt ist frei.