Die gesetzlich verpflichtende Wärmeplanung soll der Stadt eine Übersicht darüber geben, welche regenerativen Energiequellen für unterschiedliche Gebiete geeignet sein könnten. Für Bürgermeister Jan Dingeldey (CDU) ist die Wärmeplanung der erste Schritt, um den Wärmebedarf langfristig zu decken und die Klimaziele zu erreichen. Doch der Weg dorthin ist noch weit. Aktuell werden 92 Prozent aller Gebäude in der Stadt noch mit fossilen Energieträgern beheizt. An der Spitze liegt dabei die Gasheizung mit 82 Prozent, gefolgt von der Ölheizung mit knapp zehn Prozent. 38 Prozent der Gebäude sind zudem noch nicht energetisch saniert, 45 Prozent sind teilsaniert.
Projektleiter Bürger sagte, dass die kommunale Wärmeplanung zu diesem Zeitpunkt genau richtig sei. Nach den erhobenen Daten müssten 32 Prozent der fossil befeuerten Heizungen innerhalb der nächsten fünf Jahre ersetzt werden. „Die Bürgerinnen und Bürger müssen jetzt darüber aufgeklärt werden, welche Möglichkeiten sie haben“, sagte Bürger. Der gesamte Energiebedarf für das Heizen liegt in Hemmingen bei 163 Gigawattstunden pro Jahr. 80 Prozent des Bedarfs entstehe in Wohngebäuden.
Großes Potenzial abseits des Einbaus von Wärmepumpen hat die Stadt Hemmingen aber auch gar nicht, erläuterte Bürger. Möglich sei der Ausbau von Solarenergie auf Dächern und Freiflächen. Das könne aber auch nicht flächendeckend vorgegeben werden. „In der Solarthermie liegt ein großes dezentrales Potenzial. Doch auch hier sind dann eher Privatinitiativen gefragt“, sagte Bürger. In Teilen sei auch die Nutzung von Geothermie, also der Erdwärme, möglich. Der Bürgermeister hatte erst von wenigen Tagen angekündigt, dass es in dem Bereich der KGS Hemmingen Untersuchungen zu dieser regenerativen Energiequelle geben soll. Da Hemmingen kein eigenes Klärwerk besitzt, sei aus dem Abwasser kaum Wärme zu gewinnen. Auch offene Gewässer oder Biogasanlagen stünden als Wärmelieferanten in Hemmingen nicht zur Verfügung.
Für die Mehrfamilienhäuser ließen sich in einigen Bereichen sicherlich auch Nahwärmenetze ausbauen. Beim jüngsten Energieforum im Rathaus hatten Vertreterinnen und Vertreter von Avacon ausgeführt, dass es sinnvoll sei, hier zunächst Großkunden wie Gewerbetreibende anzusprechen. Diese könnten dann als Multiplikator die Möglichkeit der Nahwärmeversorgung bekannt machen. Fernwärmeversorgung bietet sich in Hemmingen eher nicht an.
„So oder so ist es jetzt die Aufgabe der Stadt, mit den Bürgerinnen und Bürger zu sprechen und sie über die künftigen Möglichkeiten der klimafreundlichen Versorgung aufzuklären“, sagte Bürger. Das betreffe unter anderem auch die Versorgung mit klimafreundlichem Strom. Denn der Strombedarf werde durch den steigenden Ausbau von Luft-Wärmepumpen enorm steigen.
Die Stadt plant deshalb auch mehrere Veranstaltungen zur klimafreundlichen Energieversorgung in diesem Jahr. Die erste wird am 2. April ab 18 Uhr im Haus der Jugend, Hohe Bünte 6, sein. Dort steht unter anderem Klimaschutzmanagerin Silke Nolting für Fragen zu dem Thema zur Verfügung.