Zehn Anrufe am Tag sind Minimum, sagen die Leiterin des Leine-Ladens, Julia Leske, und ihr Stellvertreter Denis Hennecke. Mitunter klingele ihr Telefon auch mehr als 50-mal. Vor allem Privatleute riefen an, die Möbel und andere Haushaltsgegenstände abgeben und deshalb Besichtigungs- oder Abholtermine mit dem Team vereinbaren wollen. Denn alles, was in den Laden kommt, wird vorab genau geprüft.
„Wir haben kein Lager und können nur sehr gut erhaltene Möbel abholen“, erklärt Hennecke. Was erst noch zu reparieren sei, müsse abgelehnt werden, ebenso zerschlissene oder arg aus der Mode geratene Möbel (‚Eiche brutal‘). Potenzielle Ladenhüter, die letztlich Sperrmüll würden, nützten dem Leine-Laden nichts. Bei etwas mehr als der Hälfte der angebotenen Spenden sei das aber inzwischen der Fall, so Hennecke. „Ich sage den Menschen gern: ‚Sie müssen es selbst noch kaufen wollen‘.“
Der strenge Blick auf die Sachspenden hat nicht zuletzt Kostengründe. „Wir sind Gewerbe, und was wir entsorgen, müssen wir bezahlen”, sagt Leske: „Deshalb sortieren wir so genau vor.“ Aller Sorgfalt zum Trotz ist nicht zu verhindern, dass Spenden stehen bleiben. Etwa alle zwei Monate kommen eine halbe bis eine Tonne zusammen, darunter allerdings nicht nur Möbel, sondern auch Kleidung und anderes aus dem Leine-Laden.
Im Gegenzug würden viele sehr gut erhaltene Wohn-, Ess- und Schlafzimmermöbel abgegeben. Sogar eine Hülsta-Design-Küche und hochwertige Schränke waren schon dabei, erzählt Leske. Diese werden dann entsprechend bepreist. Wer die Spender sind? „Komplett unterschiedlich: jeden Alters und von wohlhabend bis nicht-wohlhabend“, antwortet die 50-jährige Leiterin und Bürokauffrau.
Viele riefen an, weil sie sich verkleinern oder ihre Einrichtung anderweitig verändern wollten, berichtet Leske, die auch gelernte Altenpflegerin ist. Mitunter seien auch Haushaltsauflösungen nach Sterbefällen der Anlass. Einige Spender hätten zuvor erwogen oder gar versucht, ihre Gegenstände über Portale wie Ebay zu verkaufen, sich dann aber doch für eine kostenlose Abgabe entschieden, weil sie keine Fremden bei sich zu Hause haben wollten.
„Unser Ziel ist es, eine Win-win-Situation zu schaffen“, so die Leske. Wenn Menschen von einem gewissen Ballast befreit werden und anderen mit ihrer Spende zugleich etwas Gutes tun, sei das erreicht.Ihr Kollege Hennecke, der gerade dabei ist, mit Helfern seines Transportteams zu vier Besichtigungs- und Abholterminen aufzubrechen, fährt vorwiegend Adressen in Laatzen, Hemmingen, Pattensen und Hannover an: „Alles in einem Radius von 15 bis 20 Kilometer.“ Möbel kämen so auch aus Kommunen wie Sarstedt, Isernhagen oder Wennigsen – oder werden gegen Gebühr zu den Käufern dorthin und bis in die Wohnung geliefert.
Und die Kunden? „Hier darf jeder einkaufen“, stellt Leske klar. Tatsächlich kommen aber vor allem Menschen, die sich keine neuen Möbel leisten können. Inhaber der Ehrenamtskarte oder des Aktivpasses, der vom Jobcenter ausgehändigt wird, erhalten auf die veranschlagten Preise 20 Prozent Rabatt.
Er habe den Großteil seiner Einrichtung im Leine-Laden gekauft, sagt Martin Richart: „Hier gibt es tolle Sachen für wenig Geld.” Neben Möbeln gehören auch Kleidung, Bücher, Geschirr und weitere Haushaltsgegenstände zum Angebot. Der Bedarf in einem Warengruppenbereich ist derzeit allerdings besonders groß.
„Betten, Schränke und Küchen brauchen wir immer“, sagen Hennecke und Leske. Bisweilen seien die gerade erst abgeholten Möbel noch nicht richtig ausgepackt, da wollten sie schon die ersten Kunden kaufen. Die durchschnittliche Stehzeit eines Möbelstücks betrage ansonsten etwa eine Woche, schätzt die Leiterin des Leine-Ladens: „Das Angebot wechselt ständig.“ Deshalb sei es auch sinnvoll, regelmäßig vorbeizuschauen. Schränke kosteten zuletzt 79 bis 299 Euro.
Unter den täglichen Anrufern gebe es auch solche, die bestimmte Stücke reservierten wollten. Diesen Interessenten werde dann erklärt, dass das nicht möglich ist, sie aber jederzeit persönlich vorbeikommen könnten, sagt Leske.
Der Leine-Laden (Hildesheimer Straße 37) nahe der Stadtbahnhaltestelle „Birkenstraße“ ist wie folgt geöffnet: montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 14 Uhr. Erreichbar ist er außerdem unter Telefon (0511) 26072370 sowie per Mail an leineladen@vhs-de.