„Wir haben die Handyhotels in jedem Unterrichtsraum aufgehängt“, sagt Schulleiterin Ulrike Mensching. Zu Beginn der Schulstunde sollen die Geräte in den nummerierten Taschen verschwinden, die sich auf einer Art Wandbehang aneinanderfügen. Für die Pausen können die Kinder und Jugendlichen sie wieder herausnehmen.
„Wir wollen Handys nicht generell verbieten“, erläutert die EKG-Leiterin. Aus Lehrersicht lenkten die Geräte aber während des Unterrichts zu stark ab. „Die Nutzung ist mittlerweile so normal, dass man das gar nicht mehr richtig registriert.“ Die Konzentration werde daher permanent beeinträchtigt.
Ein generelles Verbot ist rechtlich umstritten: Laut des Landesamtes für Schule und Bildung greift es in das Persönlichkeitsrecht ein. Die Sophie-Scholl-Gesamtschule in Wennigsen musste ihre Handyregelung nach einer Intervention der Behörde sogar anpassen.
Die Nutzung von Handys an Schulen hat zwei Seiten. Einerseits hätten die Geräte einen hohen Suchtfaktor, wie Mensching erläutert. Es gebe die Gefahr des Mobbings und Bashings – also die öffentliche Herabsetzung von Personen – und des Betrugs bei Klassenarbeiten. Zwar würden die Geräte vor Tests eingesammelt. „Die Lehrerinnen und Lehrer können aber nicht alles im Blick haben.“Auf der anderen Seite gehören die Smartphones längst zum Alltag. „Die Schülerinnen und Schüler schauen auf den Vertretungsplan, suchen Bus- und Bahnverbindungen und informieren ihre Eltern“, sagt die Schulleiterin.Hin und wieder würden Smartphones auch im Unterricht eingesetzt. „KI kann zum Beispiel dabei helfen, neue Lösungsansätze für Problemstellungen zu finden.“ Natürlich sei dies auch mit iPads möglich, die am EKG ab Jahrgang sieben schrittweise eingeführt werden und in der Oberstufe ohnehin gebräuchlich sind. Die Geräte seien aber zu groß, um sie mal eben herauszuholen. Und da noch nicht jeder damit ausgestattet ist, wäre eine Nutzung auch eine Ungleichbehandlung. Zudem würden die Geräte während der Unterrichtszeit in den Schulmodus versetzt, was eine freie Nutzung nur eingeschränkt ermögliche.
„Einsicht ist mir wichtiger als ein Handyverbot, sagt Mensching. „Unser Ansatz ist eher, Distanz zu den Geräten zu schaffen. Wenn die im Handyhotel sind, kann man nicht nachschauen, ob man gerade eine neue Nachricht erhalten hat.“
Die Schülerinnen und Schüler sind nach der einmonatigen Testphase im Februar geteilter Meinung. „Wir könnten das Handy genauso gut in unserer Tasche lassen“, sagt etwa die Fünftklässlerin Josephine (10). Sie fühle sich sicherer, wenn sie das Gerät bei sich trage. „Im Handyhotel könnte man das nach dem Unterricht vergessen.“ Auch ihr Klassenkamerad Lavand (11) befürchtet, dass sein Handy dort verschwinden könnte.
„Ich bin ohne Handy weniger abgelenkt“, sagt hingegen Luise (11). „Deshalb finde ich Handyhotels gut. Im Unterricht benutzen wir die Geräte ja sowieso kaum.“ Jonas (10) glaubt, dass zumindest Schülerinnen und Schülern in den hinteren Reihen in Versuchung geraten könnten, ihr Handy während des Unterrichts heimlich hervorzuholen. „Deshalb finde ich die Idee nicht schlecht.“
An der Albert-Einstein-Schule (AES) in Laatzen gilt schon länger ein Handyverbot. Wie an der Gesamtschule will das EKG künftig Spielgeräte und bewegte Pausen anbieten. Und: „An drei Tagen in der Woche gibt es in der zweiten großen Pause zusätzlich Spiel- und Sportmöglichkeiten in der Turnhalle“, sagt EKG-Schulleiterin Mensching.
Zudem denkt das Gymnasium über smartphonefreie Zonen nach. Sie könnten zum Beispiel in der Pausenhalle, der Mensa oder im Ganztagsraum eingerichtet werden. Eine Arbeitsgruppe, an der auch Schülerinnen und Schüler mitwirken, soll die Regelungen konkretisieren.An der Albert-Einstein-Schule (AES) in Laatzen ist Handynutzung schon seit Längerem generell verboten – auch während der Pausen. Es gibt aber Ausnahmen: „Schülerinnen und Schüler der Oberstufe dürfen die Geräte in bestimmten Räumen nutzen“, sagt Schulleiter Christian Augustin. In den Schulstunden sind sie nur erlaubt, wenn der Unterricht es erfordert. Oft würden dann aber iPads eingesetzt.
Abgeben müssen die Schülerinnen und Schüler ihre Geräte hingegen nicht. Wenn jemand gegen das Verbot verstößt, drohen Elterngespräche. Über eine sinnvolle Regelung habe sich das Kollegium lange Gedanken gemacht. „Das war ein längerer Prozess.“ Zum Ausgleich hat die AES Spielgeräte organisiert, es gibt bewegte Pausen und andere Angebote.
Eine ähnliche Regelung hat die KGS Hemmingen im Sommer 2024 eingeführt: „Wenn Schülerinnen und Schüler kurz ihr Handy zücken, um den Stundenplan zu checken oder in der Mensa-App nach dem Mittagessen zu schauen, ist das aber in Ordnung“, sagt Schulleiter Gregor Ceylan. In dringenden Fällen dürften sie auch telefonieren.
Seit der Umstellung habe sich die Atmosphäre auf dem Schulhof grundlegend verändert: „Plötzlich sind auf dem Schulhof wieder Schülergruppen zu sehen, die miteinander sprechen und nicht auf den Bildschirm starren.“ Verstöße gebe es kaum: Die meisten verzichteten freiwillig auf das Handy.