Auf Attentate bezogen wolle sie nichts heraufbeschwören, sagte Ulrike Mensching, Leiterin des Erich Kästner Gymnasiums (EKG), jüngst im städtischen Schulausschuss. Sie beschrieb die aktuelle Situation als gravierend: „Es kann jeder eindringen, egal ob mit Knarre oder Messer.“ Ziel sei es, das Risiko für die Schulen zu minimieren und die Aufsicht dort zu vereinfachen.
Die Stadtverwaltung hatte dem Schulausschuss vergangene Woche zwei Varianten für die zusätzliche Absicherung des EKS-Geländes vorgestellt. Tore direkt am Eingang hätten den Vorteil, dass der Zugang besser zu kontrollieren sei sowie Müll und Vandalismus unter den Vordächern eingedämmt werde. Als Nachteil listete die Verwaltung allerdings Zusatzkosten von 50.000 bis 115.000 Euro auf sowie den erschwerten Gang zu Hallen und Forum sowie unerreichbare Briefkästen und Fahrradständer. Üblicherweise sind die Laatzener Schultore von 20 bis 6.30 Uhr geschlossen.
Die EKS-Vertreter wünschen sich schnelle Änderungen. „Der Zaun steht auf beiden Seiten an der falschen Stelle“, sagte Sven Hinzpeter, Rektor der Erich Kästner Oberschule (EKO). Der Zugang für Lieferanten oder zu den jetzigen Briefkästen sei irrelevant, da Firmen oder Besucher ohnehin die Hausmeister oder Verwaltung direkt ansteuerten. Viel wichtiger sei, dass sich Schülerinnen und Schülern tagsüber frei auf dem EKS-Gelände bewegen könnten und Schulfremde fernblieben.
Wie Mensching warb auch Hinzpeter wiederholt für vorgelagerte Tore, die während der Unterrichtszeit geschlossen sind: „Der Eingang zur Schule sollte bei der Verwaltung sein: Da melden sich Menschen an“, so der Rektor. Bei Veranstaltungen mit Externen im Forum gingen Menschen durch den Haupteingang und nicht etwa durch eine Nebentür, ergänzte Mensching.
Wesentlicher Unterschied der von der Stadt präsentierten Varianten: In einem Fall bleiben die rückwärtigen Tore erhalten, im anderen werden sie entfernt. Die Variante mit zusätzlichen Toren fand keinen Anklang. „Das ist wie im Vogelkäfig“, kommentierte die EKG-Leiterin. Nachdem Hausmeister Heiko Ahlborn dem Fachausschuss wie gewünscht aus der Praxis berichtet und über Laufwege und Schließzeiten informiert hatte, einigten sich alle auf eine Mischvariante.
Diese neu entwickelte Variante 2b besagt, dass beim Gymnasium das rückseitige Tor zugunsten eines neuen vorn entfernt wird. Auf der anderen Seite des Verwaltungstraktes, bei der Oberschule, ist das jedoch nicht möglich. Da der Zugang zu den Hallen für Vereine und andere Sportgruppen frei bleiben muss, muss der vorhandene Zaun zum Schutz des Geländes erhalten bleiben und etwa 24 Meter davor ein zusätzlicher Riegel mit Schiebetor errichtet werden. Dieser könnte nach der sonst üblichen Schließzeit um 20 Uhr noch bis etwa 22 Uhr offen bleiben, ehe auch er geschlossen wird, um nächtliche Feiern unter dem Vordach zu verhindern, hieß es im Ausschuss.
Die Verwaltung hingegen sprach sich dafür aus, dieses vordere Tor von Schulschluss bis Schulbeginn offenzulassen. Diese und weitere Fragen gilt es in den nächsten Wochen noch zu klären. Wichtig war allen, dass spätabends niemand mehr auf das Gelände kommt, aber der Weg von dort frei bleibt.
Die Verwaltung will die neue Mischvariante ausarbeiten und auch die Feuerwehr zu Rate ziehen. Unter anderem der Ausschussvorsitzende Eric Silver (CDU) hatte daran erinnert, dass Fluchtwege im Evakuierungsfall frei bleiben müssten. Die geplanten Schiebetore sollen an die Brandmeldeanlage angeschlossen werden, um sich auch im Notfall automatisch zu öffnen.
Der Umbau kostet etwa 80.000 Euro – plus jährlich 5000 Euro für die Wartung. Trotz des 70 Millionen Euro teuren EKS-Neubaus sei das zwar keine Kleinigkeit, sagte Grünen-Ratsherr Thomas Weber, der auch beim Sportverein VfL Grasdorf engagiert ist. Dennoch sei eine Lösung notwendig, die den Anforderungen von Schulen und Vereinen gerecht werde.
Mehrere Ratsleute übten aber auch Kritik: Die Verwaltung habe bei der Entscheidung zur bestehenden Anlage stets betont, dass Tore vorn am Eingang nicht zu realisieren seien. „Es ist unerklärlich, warum es damals angeblich nicht ging und nun doch“, so Weber.
Wie Stadtsprecherin Sonja Westphal mitteilte, bereitet die Verwaltung parallel zur Beschlussvorlage für die Gremien bereits die Ausschreibung vor. Wenn Fachausschuss und Rat im Mai grünes Licht geben, könne schnell eine Firma gesucht und mit dem Auftragnehmer weiteres koordiniert werden.
Wann die zusätzlichen Tore stehen, sei zwar noch unklar, so Westphal, aber „eine Ausführung zum neuen Schuljahr“ werde angestrebt.